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Gemeinde Neidlingen

Chronik

Die folgende Zusammenstellung über die Geschichte der Reußensteingemeinde stellt lediglich eine sehr grobe und skizzenhafte Darstellung des Zeitgeschehens unserer Gemeinde dar.

Interessierte Bürgerinnen und Bürger können ihr Wissen im Hinblick auf die Geschichte Neidlingens in den zu diesem Thema erschienenen Bildbänden "Neidlingen - Geschichte der Herrschaft, Vogtei und Gemeinde unter dem Reußenstein" (Dr. Christoph J. Drüppel) und "Neidlingen im 20. Jahrhundert" (Karl Kutteruf) vertiefen. Die Werke sind bei der Gemeindeverwaltung käuflich zu erwerben.

Steinzeit

Um 2500 v. Chr. sind die ersten Siedler auf Neidlinger Markung nachzuweisen.
 

Ortsgründung durch die Alamannen um das Jahr 400

Nach den heutigen Erkenntnissen der Forschung ist der Ortsname Neidlingen von dem Personennamen Nidilo abzuleiten.
Vermutlich handelt es sich um das erst alamannische Sippenoberhaupt, das um ca. 200 mit seinen Leuten das Tal in Besitz
nahm und zwischen Lindach und Seebach im Oberdorf siedelte. "Neidlingen" bezeichnete also den "Ort, an dem Nidilos Leute wohnen".

Erste Nennung des Ortes in Aufzeichnungen: 796/797

Drei alamannische Grundbesitzer schenken dem Kloster Lorsch im Jahre 796/797 verschiedene Güter aus einem Ort der "Nitlinga" heißt. Der Name erscheint hier zum ersten Mal in den Schriftquellen.

Ruine Reußenstein Ende 13. Jahrhundert gebaut

Die Burg wurde Ende des 13. Jahrhunderts auf einem das Neidlinger Tal beherrschenden Felsen erbaut. Sie wechselte mehrmals die Besitzer. Ihr jetziger Name geht zurück auf eine dieser Familien. Die Burg war bewohnt bis in das 16. Jahrhundert.

Herren von Neidlingen (bis 15. Jahrhundert)

Adlige Herren von Neidlingen treten zwischen 1256 und dem Beginn des 15. Jahrhunderts als Ortsherren in Neidlingen auf.

Blutgerichtsbarkeit (16. Jahrhundert)

Kaiser Ferdinand I. verleiht dem Neidlinger Ortsherren Eberhard von Freyberg 1551 den Blutbann zu Neidlingen, so dass dieser über Leben und Tod richten darf. Zwölf Jahre später werden die ersten Frauen in Neidlingen als "Hexen" verbrannt.

Konrad Widerholt (17. Jahrhundert)

Der württembergische Kommandant des Hohentwiel, Konrad Widerholt - viel bekriegt, doch nie besiegt - erhält 1650 vom württembergischen Herzog die Herrschaft über Neidlingen als Belohnung für geleistete treue Dienste. Widerholt führte 1661 in Neidlingen das Büchsenschießen zur Landesverteidigung ein. Die Neidlinger üben mehr oder weniger fleisig am Schießhäusle.

Vogt Gerok und Kircheneinweihung im 18. Jahrhundert

Vogt Georg Friedrich Gerok (1736 – 1767) ist einer der bedeutendsten Neidlinger Vögte. Besonders bleibt er mit dem Ort durch den Neubau der Kirche (1746) verbunden.

Schäferei

Vom Mittelalter bis in das 19. Jahrhundert hinein bildet die Schäferei auf den mageren Weiden am Albtrauf und den saftigen Wiesen zwischen Reußenstein und Krebsstein den wichtigsten Erwerbszweig in Neidlingen.

Marktgeschehen im 18. Jahrhundert

Schon 1629 wird der Ort als „Marktflecken“ genannt, doch setzte der Dreißigjährige Krieg dem Markttreiben ein Ende. Untertänigst baten die Neidlinger Gemeindeväter den Herzog um Neuverleihung des Marktprivileges und erhielten darauf 1710 das Recht, einen „Jahr-, Roß- und Viehmarkt“ im Keltergarten abzuhalten, aus dem sich der heutige „Zwetschgenmarkt“ entwickelte.

Handwerker, Wirtschaft und Entwicklung im 19. Jahrhundert

Im Jahr 1835 gab es im Ort 23 verschiedene Handwerksberufe, in denen 75 Personen tätig waren. Außerdem gab es noch 4 Kleinhändler.
Die wirtschaftliche Grundlage der Vogtei Neidlingen bildete seit eh und je die Landwirtschaft (Dinkel, Wein, Schafe und Kirschen).
Bei der Wahl des ersten Schultheißen erhielt die Gemeinden nach französischem Vorbild drei Bewerber zur unmittelbaren Wahl vorgeschlagen, wobei der Gewählte dann auf Lebenszeit von der Regierung ernannt wurde. Johannes Ruoß (1815 – 1838) ist der erste dieser Schultheißen in Neidlingen, die aber bis in das 20. Jahrhundert nur nebenberuflich amtierten.
Um 1842 standen in Neidlingen außer der Kirche, dem Rathaus (erbaut um 1761) und der Schule auch 181 private sowie acht weitere öffentliche Gebäude, darunter auch die Kelter im Rathaus sowie das Armenhaus. Fünf dieser Gebäude gehörten dem Staat, zehn Gebäude verschiedenen Körperschaften und 166 Gebäude entfielen auf 1030 Einwohner. Das heißt es gab in Neidlingen eine Wohndichte von knapp über 6 Personen im Haus, was für damalige Verhältnisse sehr niedrig war.

In den Kriegsjahren

Im Zweiten Weltkrieg stellte Neidlingen 194 Soldaten und zwei Wehrmachtshelfer; 60 von ihnen fielen, 23 blieben vermißt. Am 20 April 1945 flogen viele Jagdbomber über Neidlingen hinweg und nahmen die Gemeinde teilweise unter Beschuss. Ein Gebäude geriet in Brand und zwei Einwohner wurden getötet. Am Tag darauf versuchte die deutsche Artillerie, durch Sperrfeuer auf die Straßenkreuzung Hepsisau-Neidlingen die Amerikaner am Aufstieg zur Alb zu hindern. Am 21. April 1945 um 11.00 Uhr fuhren jedoch die ersten amerikanischen Panzer in das Dorf und 150 Mann quartierten sich in einigen Häusern ein. In Neidlingen ging damit der Krieg zu Ende.

Neubeginn und Wiederaufbau in den Jahren seit 1945

Auch nach dem Ende des 2. Weltkrieges bestimmt die Landwirtschaft das örtliche Leben der Reußensteingemeinde. Der Kirschanbau, wie auch die Obstverwertung erlebte in Neidlingen in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg einen wirtschaftlichen Höhepunkt. Im Jahr 1991 wurden noch insgesamt 26 Brennereien auf Neidlingen Markung gezählt, von denen noch heute viele erhalten sind. Der einst am Kleinen Lichtenstein betriebene und bedeutende Weinanbau nahm mit Aufkommen des Obstanbaus jedoch immer mehr ab. Berufe im Ort zu anfang und mitte des 20. Jahrhunderts, die mit der Landwirtschaft im direkten Zusammenhang standen und meist von Handwerkern ausgeübt wurden, waren neben dem Müller sowie dem Hausmetzger und Fleischbeschauer vor allem die Schmiede und Wagner.

Gemeindeentwicklung Nachkriegszeit (Wichtige Investitionen)

1952
Ansiedlung der Firma CUSTO (später: FESTO KG) unter Firmengründer Gottlieb Stoll

1959
EVS gewährleistet erstmals umfassende und sichere Stromversorgung
Bau des Kindergartens am Wasserschlossweg

1965
Einweihung Grundschule

1970
ff.Kreis- und Gemeindereform

1971
ff.Sicherstellung der eigenen Wasserversorgung durch Erschließung neuer Quellen und Bau des Hochbehälters Bühl
Bau der Kläranlage Neidlingen-Hepsisau

1972-1991
Flurbereinigung

1975
Die Gemeinde Neidlingen behält ihre rechtliche Selbständigkeit
durch den Beitritt zur Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft
mit der Stadt Weilheim/Teck

1985
Einweihung Sportgelände Benzwang

1994
Einweihung der Reußensteinhalle

2001
Aufgabe der Kläranlage Neidlingen/Hepsisau.
Abwasserentsorgung in der Sammelkläranlage Weilheim.

2002
Sicherstellung der Wasserversorgung durch Bau eines neuen Hochbehälters und Anschluss an das überörtliche Versorgungsnetz der Landeswasserversorgung.
Feuerwehr und Bauhof der Gemeinde beziehen ihr neues Domizil im Gebäude Gottlieb-Stoll-Str. 60

2003
Sanierung des Rathauses in der Kelterstraße durch Dipl. Bauingenieur Gerhard Stolz aus Neidlingen.

http://www.neidlingen.de//de/gemeindeinfo-wirtschaft/chronik/geschichte