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Gedenkfeier zum Totensonntag

Artikel vom 17.11.2020

Rede zum Totensonntag

Liebe Gemeindemitglieder,

in Trauer und Gedenken begehen wir den Totensonntag.

November, ein Monat der Stille und Trauer,

November, die Blätter werden vom Baum geweht,

es gehört dazu, wir merken es kaum,

doch das eine Blatt allein,

war Teil von unserem Leben,

und wird uns immer wieder fehlen,

der Mensch wird sich seiner eigenen Endlichkeit bewusst.

 

Wir trauern um die Toten, die uns noch nahestehen, die uns jüngst verlassen haben.

Es sind die Eltern, Großeltern, aber auch Ehepartner, Kinder, Freunde und Kollegen.

Was bleibt ist der Schmerz, die nicht mehr zu schließende Lücke, die Ohnmacht, die Hilflosigkeit.

Uns bricht ein Teil unseres eigenen Lebens weg, der Lebensmittelpunkt geht, unwiederbringlich.

In Gedanken sind wir bei Ihnen, den Verstorbenen.

Die Gräber geben Gelegenheit zur Verbundenheit, zum Besuch, zum Abschied nehmen.

Aktuell fehlen oft die richtigen Worte. Wir alle müssen in der Coronakrise persönliche Kontakte einschränken, auf Abstand zueinander gehen.

Zum Schutz getragene Masken verbergen Mimik und Lachen.

Die körperliche Nähe fehlt, die Angst und Sorge um die eigene Gesundheit und die der Familie und Freunden wühlt uns auf, lässt uns nicht zur Ruhe kommen.

Hinzu kommen wirtschaftliche Ängste, wie bekomme ich Home-Office und die Betreuung der Kinder unter einen Hut. Werde ich meinen Arbeitsplatz behalten dürfen.

Die täglichen Lagemeldungen zu Neuinfektionen, möglichen Engpässen bei der ärztlichen Versorgung und ähnlich gelagerten Einschätzungen verunsichern uns.

Was bleibt ist die Hoffnung und das Vertrauen auf menschliche Wärme und Zuneigung, für einander da zu sein, auf den anderen zählen zu dürfen.

Uns Mut zuzusprechen.

Auch lässt uns der Blick auf unser Gesundheitssystem und pharmazeutische Entwicklungen hoffen.

 

In diesem Jahr können wir aufgrund der Pandemie keine Gedenkfeier beim Ehrenmal auf dem Friedhof abhalten.

Pfarrerin Ute Stolz, Dietmar Brendel als Vertreter der Vereine und Bürgermeister Klaus Däschler werden in aller Stille in Gedenken am Ehrenmal einen Kranz niederlegen.

 

Wir gedenken den Opfern von Krieg, Terrorismus und Gewaltherrschaft. Aus beiden Weltkriegen.

Gedenken den gefallenen Soldaten zu Land, Wasser oder Luft.

Wir verbinden zu ihnen meist keine vertraute Stimme oder eine solche Umarmung, verneigen uns aber vor all denjenigen, die im guten Glauben an Pflicht- und Aufgabenerfüllung als Soldaten Deutschlands ihr Leben gelassen haben.

Dies gilt wie gesagt für beide Weltkriege, die seither vergangenen 100 oder 75 Jahre mögen den Schmerz zwar lindern, den Scharfsinn trüben, doch umso mehr gilt es in Anbetracht der aktuellen weltweiten Pandemie und nicht zu vergessender aktueller Krisenherde und Militäraktionen neuem Blutvergießen entgegenzutreten und mit aller Kraft Eskalationen zu verhindern und Frieden zu schaffen.

 

Jeder getötete Soldat, jeder verhungerte oder ertrunkene Flüchtling, jeder Mann, jede Frau, jedes Kind, das wegen Herkunft, Religion oder Geschlecht Opfer von Gewaltherrschaft wird, verlangt von uns diese abzuwehren, dieser entgegenzutreten.

Gelebte Zivilcourage wäre der erste Schritt. Im Kleinen fängt es an. Der Mut aufzustehen. Zu helfen.

 

Bei Besuchen von Jubilaren, ich weiß ich wiederhole mich an dieser Stelle immer wieder,

aber es ist mir wichtig,

wurde mir schon sehr nachhaltig berichtet, wie junge Menschen, Heranwachsende, halbe Kinder noch, sich im Dorf sammelten und in den Krieg eingezogen worden waren.

Oftmals begleitet mit den Gedanken' der kommt auch nicht mehr heim`.

Oder wenn die Benachrichtigungen über die Gefallenen zugestellt wurden.

- Euer Tod soll uns Mahnung sein -

 

In Stein gemeißelt, dies soll unsere Ausrichtung sein.

 

Es gilt heute bildlich gesprochen die Hand zu reichen, Frieden zu schaffen und auf humanitäre und medizinische Hilfe zu hoffen und darauf zu vertrauen.

 

Menschen leiden und sterben, Angehörige bleiben zurück.

 

Seit ihrer Flucht aus Krieg und Gewaltherrschaft leben heute viele Menschen anderer Nationen mit uns in Deutschland.

Sie haben ihre Nächsten verloren und müssen traumatische Erlebnisse bewältigen.

 

Die Einbeziehung dieser Geschehnisse in unser Erinnern und Gedenken mahnt uns;

Mahnt uns zur Wahrung der Menschenrechte, der Fähigkeit zur Versöhnung und Förderung des gerechten Friedens.

 

Natürlich gibt es keinen Frieden ohne die Bereitschaft sich im Ernstfall gegen fremde Gewalt zu verteidigen.

Deshalb verdienen unsere Angehörige der Bundeswehr Anerkennung und Respekt.

 

Es gilt den nachwachsenden Generationen in die Wiege zu legen, dass Frieden und Toleranz mit eines unserer höchsten Güter sind.

Wohin Hass, Machtgier und gnadenlose Feindschaft führen wissen wir.

Gott gib uns die Kraft dieses zu verhindern.

 

Der Volkstrauertag und Totensonntag erinnern uns daran, dass der Frieden nicht selbstverständlich ist.

Und dass die Arbeit für den Frieden keineswegs ein Auftrag allein an die staatliche Politik sein kann.

 

Totenehrung

 

Wir denken heute

an die Opfer von Gewalt und Krieg, Kinder, Frauen und Männer aller Völker

 

Wir gedenken

den Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren

 

Wir gedenken derer

die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde

 

Wir gedenken derer

die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen die Gewaltherrschaft geleistet haben und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten

 

Wir trauern

um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung

 

Wir gedenken heute auch derer

die in diesem Jahr bei uns durch Hass und Gewalt gegen Fremde und Schwache Opfer geworden sind

 

Wir trauern

mit den Müttern und mit allen, die Leid tragen um die Toten. Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der Welt

 

Wir trauern

mit den Angehörigen, die in diesem Jahr von einem geliebten Menschen Abschied nehmen mussten.

 

Klaus Däschler

Bürgermeister